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04.09.2019

Tagung „Zukunft der Polizei IV „Digitale Transformation“

Welche Aufgaben und Herausforderungen ergeben sich für die Polizei und ihre Bildungseinrichtungen aus dem digitalen Wandel?

Dieser Frage widmete sich die Tagung „Polizei und Gesellschaft in der digitalen Transformation“ am 3. und 4. September 2019 an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol). Rund 80 polizeiliche Führungskräfte, Ministeriumsvertreter und wissenschaftliche Experten diskutierten Probleme und Fragestellungen aus den Themenfeldern operative Einsatzunterstützung, Innovationen und Forschungsvorhaben sowie polizeiliche Aus- und Fortbildung.

Um optimal auf neue Gegebenheiten des gesellschaftlichen Megatrends Digitalisierung zu reagieren und die polizeiliche Arbeit an die neuen Herausforderungen anpassen zu können, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die Digitalisierung von Einsatz- und Führungsmitteln sowie von Aus- und Fortbildung helfen der Polizei dabei, mit den digitalen Veränderungen unserer Zeit Schritt halten zu können.

Der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg, Thomas Model, prognostizierte, dass „sich das gesamte Berufsbild der Polizei grundlegend verändern“ werde. Model sagte weiter: „Wir wollen die DHPol als zentrale Plattform für Bildungsthemen der Polizei nutzen.“ Eike Richter, Professor für Öffentliches Recht und IT an der Hamburger Akademie der Polizei, stellte fest, dass die Digitalisierung auf eine Verwaltung pralle, die nach wie vor durch Hierarchie und Bürokratie gekennzeichnet sei. Angesichts volllaufender E-Mail-Postfächer, analoger und digitaler Aktenführung sowie kollaborativer Plattformen und Netzwerke, die das gleichsam „hybride Arbeiten“ prägten, entwickele sich komplizierte Abläufe, bei denen sich immer wieder die Frage stelle: „Wer hat eigentlich den aktuellen Stand zum Vorgang?“

Helen Albrecht vom Bundeskriminalamt skizzierte eine Arbeitswelt, in der traditionelle Strukturen immer mehr von Projekten abgelöst werden, der Kampf um die besten Köpfe stattfindet und die Digitalisierung allgegenwärtig sei. Vor diesem Hintergrund sollte die Veränderungsbereitschaft als eine zentrale Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestärkt werden. Mit Blick auf die Umsetzung seien kleinere digitale Lösungen anstatt 120 %- Ansätze anzustreben. IT-Lösungen seien oft schon auf dem Markt verfügbar und müssten auch nicht „immer selbst gebastelt“ werden.

Im weiteren Verlauf richtete sich der Fokus auf die Digitalisierung von polizeilichen Einsätzen, gezeigt von Franziska Ludewig am Beispiel des Forschungsprojekts SENTINEL , das die Nutzung von Open-Source Intelligence (sog. OSINT) im polizeilichen Kontext betrachtet. Das Internet und die sozialen Medien bieten „eine Vielzahl von öffentlich zugänglichen, personenbezogenen Daten“. Diese lassen sich für die Arbeit beispielsweise in Einsatzleitstellen nutzbar machen. In der wissenschaftlichen Evaluation wurden ca. 1.300 Einsätze zugrunde gelegt. In 26% dieser Einsätze wurden keine OSINT-Daten eingespeist. Bei ca. 1.000 Einsätzen entfielen mehr als die Hälfte auf die Einsatzkategorien Suizidandrohungen oder -versuche, vermisste Personen und häusliche Gewalt, so erste Ergebnisse der Studie. In knapp 60% dieser Fälle wurde dies als relevant für die Sicherheit von Polizeivollzugsbeamten und weiteren Beteiligten eingeschätzt.

Vor der polizeilichen Aus- und Fortbildung macht die Digitalisierung nicht halt, ob nun in Form von Virtual Reality und Simulationssoftware im Training oder Künstlicher Intelligenz. Dies zeigten sehr praktisch und anschaulich die Vorstellungen der Anwendung SAFER aus Rheinland-Pfalz, die dort von Feuerwehr und Polizei genutzt wird, und HYDRA von der London Metropolitan Police. Gleichwohl „sollten virtuelle Übungen reale Situationen nicht vollständig ersetzen“, so Markus Oppenhäuser von der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz, sie helfen jedoch, personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen zu sparen und Wiederholungen zu ermöglichen.

Alle diese Projekte und Anwendungen machen ein Umdenken notwendig und stellt Führungskräfte vor die Herausforderung, ein Änderungsmanagement in ihren Organisationen durchzuführen. Prof. Lange, Präsident der DHPol, sprach die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Belastung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, vor allem aber auch die Führungskräfte sehen sich besonderen Herausforderungen gegenüber. Sie sind stetig wachsenden Erwartungen an Präsenz und permanenter Erreichbarkeit ausgesetzt. Die Fehleranfälligkeit nehme so trotz der immer perfekteren Technik zu. Hier sind eindeutig Tendenzen einer Überlastung festzustellen. Lange und Model kündigten an, dass sich DHPol und Akademie der Polizei in einer weiteren Tagung mit diesem Thema beschäftigen werden.

Mit der Tagung setzten die Deutsche Hochschule der Polizei und die Akademie der Polizei Hamburg ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe zur Zukunft des Polizeiberufes erfolgreich fort.

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