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"Die Überraschung ist Teil des Plans" – Stabsrahmenübung trainiert Führungskompetenzen

Den Umgang mit komplexen Einsatzlagen trainieren Studierende des Masterstudiengangs "Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement" bei der jährlichen Stabsrahmenübung der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol).

18.09.2026

Dabei arbeiten sie in simulierten Führungsstäben, bewerten Informationen, entwickeln Einsatzkonzeptionen und reagieren auf eine sich dynamisch verändernde Lage. Welchen didaktischen Zweck verfolgt die Übung? Warum werden die Studierenden bewusst unter Entscheidungs- und Zeitdruck gesetzt? Und wieso sind Fehler erlaubt? Darüber sprechen Alexandra Füchter, Leiterin des Fachgebiets "Polizeiliches Krisenmanagement" und Dirk Gerasch, kommissarischer Fachgebietsleiter "Polizeiliches Einsatzmanagement".

Alexandra Füchter, Leiterin des Fachgebiets "Polizeiliches Krisenmanagement"

Was ist das zentrale Lernziel der Stabsrahmenübung?

Alexandra Füchter: Es geht darum, komplexe Einsatzlagen strukturiert zu erfassen, Informationen zu bewerten und daraus tragfähige Entscheidungen abzuleiten. Die Studierenden sollen erleben, wie anspruchsvoll Führung wird, wenn viele Informationen gleichzeitig eingehen, sich die Lage verändert und trotzdem schnell Entscheidungen getroffen werden müssen. Und das in einer realitätsnahen Übungssituation beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Ahrweiler. 

Dirk Gerasch: Dabei geht es nicht um die eine richtige Lösung. Uns interessiert vor allem der Weg dorthin: Wie wird eine Lage analysiert? Welche Informationen werden wie gewichtet? Welche Handlungsoptionen gibt es und wie werden Entscheidungen im Stab vorbereitet und kommuniziert?


Warum ist dafür eine mehrtägige Simulation erforderlich?

Dirk Gerasch: Führung in komplexen Einsatzlagen zeichnet sich nicht nur durch Wissen, sondern durch Handlungskompetenz aus. Man kann Entscheidungsprozesse theoretisch beschreiben – aber man muss auch erfahren, wie es sich anfühlt, wenn Informationen unvollständig sind, wenn Ressourcen plötzlich wegfallen oder mehrere Entwicklungen gleichzeitig eintreten. Ein wichtiger Bestandteil der Übung sind neue Lageinformationen und sogenannte Einspielungen. Sie verändern die Ausgangslage und zwingen die Studierenden dazu, bisherige Annahmen und Entscheidungen zu überprüfen. Was, wenn sich herausstellt, dass der verdächtige Geiselnehmer selbst Opfer ist? Wenn es parallel eine Explosion gibt, die Zivilpersonen und Einsatzkräfte in Gefahr bringt? Oder wenn plötzlich Einsatzkräfte ausfallen? 

Alexandra Füchter: Die Übung schafft dafür einen geschützten Lernraum. Die Studierenden können die Konsequenzen ihrer Entscheidungen erleben und anschließend mit erfahrenen Coaches reflektieren. Im Unterschied zum realen Einsatz dürfen hier auch Fehler passieren. Genau daraus können wir lernen. Die Stabsrahmenübung trainiert deshalb nicht nur die Entscheidungsfindung. Auch die Zusammenarbeit in einer Stabsstruktur und die strukturierte Verarbeitung von Informationen spielen eine zentrale Rolle. Im Bereich Kommunikation gibt es meistens schon nach dem ersten Tag deutliche Verbesserungen. Das schafft Vertrauen in die erlernten Kompetenzen für zukünftige Einsatzlagen.   

Dirk Gerasch, kommissarischer Fachgebietsleiter "Polizeiliches Einsatzmanagement"

Wie konzipieren Sie eine solche Übung?

Alexandra Füchter: Hinter dem Szenario steckt eine umfangreiche didaktische Planung. Wir überlegen zunächst, welche Kompetenzen trainiert werden sollen. Daraus entwickeln wir die Lage, also die konkrete Situation auf die die Studierenden treffen und planen, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt eingespielt werden.

Dirk Gerasch: Die Entwicklung darf nicht vorhersehbar sein. Die Studierenden sollen auf Veränderungen reagieren und ihre Entscheidungen immer wieder überprüfen. Die vermeintliche Überraschung ist also selbst Teil des Plans, des dahinterliegenden Lehrkonzepts. Dann wird es interessant. Anschließend betrachten wir gemeinsam: Welche Informationen lagen zu diesem Zeitpunkt vor? Welche Überlegungen haben zur Entscheidung geführt? Welche Alternativen gab es? Aus der Analyse des eigenen Handelns werden Erkenntnisse für die spätere Führungsarbeit gewonnen.

Was sollen die Studierenden aus der Übung mitnehmen?

Alexandra Füchter: Führung bedeutet gerade in komplexen Situationen nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, Informationen sinnvoll zu verarbeiten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und auch unter Unsicherheit und enormem Zeitdruck handlungsfähig zu bleiben.

Dirk Gerasch: Und es geht um Teamarbeit. Ein Führungsstab funktioniert nur, wenn Rollen geklärt sind, Informationen fließen und gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet wird. Das Ziel der Übung ist deshalb nicht die perfekte Lösung, sondern der Lernprozess. 

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