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Perspektiven marginalisierter Gruppen im Fokus polizeilicher Bildung

Fachtagung des Kooperationsprojekts "DISKURS" widmet sich den Perspektiven von marginalisierten Gruppen und regt Polizeikräfte zur Selbstreflexion an

30.01.2026

Stimmen von marginalisierten Gruppen Gehör geben und in die Polizeiarbeit integrieren – das war das Ziel der Fachtagung "Lernen aus Sicht der Betroffenen: Ein Ansatz für polizeiliche Professionalität", die vom 20. bis 21. Januar 2026 in Frankfurt am Main stattfand. Die Konferenz ist Teil des Kooperationsprojekts "DISKURS" unter der Leitung von Dr. Haydée Mareike Haass an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol). Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der DHPol ist Felix Lange. Das Projekt will die Professionalisierung der Polizei durch politische Bildung fördern.

"Menschen mit geringer Beschwerdemacht erfahren oft zu wenig Aufmerksamkeit. Dazu gehören Personen, die von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind, etwa People of Colour, Obdachlose oder andere sozial oder ökonomisch randständige Personen", schildert Haydée Mareike Haass. Dies habe sich im Zusammenhang mit polizeilicher Arbeit besonders bei den Ermittlungen zum NSU-Komplex gezeigt: "Aussagen der Angehörigen der Ermordeten wurde wenig Glauben geschenkt, stattdessen liefen Ermittlungsverfahren gegen sie. Da sind einige Fehler passiert, aus denen die Polizei bereits in der Vergangenheit gelernt hat."

Praktische und theoretische Perspektiven bereiten auf Zusammenarbeit mit Betroffenenverbänden vor

Auf dem Podium kamen Referierende mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Ayşe Güleç, Pädagogin, Autorin und forschende Aktivistin, war Initiatorin des NSU-Tribunals und ist Referentin bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Andreas Sagehorn, Polizeipräsident in Oldenburg, beschrieb das Verhältnis von Polizei und Betroffenen aus der polizeilichen Sicht am Beispiel der öffentlichen Diskussionen um den Fall des dunkelhäutigen Lorenz A., der im April 2025 bei einem Polizeisatz ums Leben kam. Er sprach sich für eine offenere Kommunikation der Polizei und einen kontinuierlichen Dialog aus. Dr. Hande Abay Gaspar, Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Extremismusresilienz an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS), stellte wissenschaftliche Studien zu Vertrauensdynamiken und Wahrnehmungen zwischen Polizei und Zivilgesellschaft vor. Den theoretischen Hintergrund lieferte die Philosophin Prof. Dr. Frauke Kurbacher von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW (HSPV NRW). Ihr Konzept eines dynamischen Haltungsbegriffs geht nicht von einer einzig richtigen Sichtweise aus, sondern befähigt zur stetigen kritischen Selbstreflexion. 

Es gehe nicht nur darum, sich Perspektiven marginalisierter Gruppen anzuhören, wie Haydée Mareike Haass betont. "Das Wissen der Betroffenen soll in die polizeiliche Aus- und Fortbildung einfließen. Wir nehmen sie als Expert:innen ernst. Im nächsten Schritt werden wir uns mit unterschiedlichen Initiativen und Organisationen auseinandersetzen und auf diese zuzugehen." Im Fokus stehe dabei weniger das Aufarbeiten von Einzelfällen, sondern die Auseinandersetzung mit struktureller Diskriminierung und zu einem Perspektivenwechsel beizutragen.

An der Konferenz nahmen rund 50 Personen teil, darunter Mitglieder des zum Forschungsprojekts gehörenden Arbeitskreises "Politische Bildung und Polizei", Polizeiangehörige, Dozierende verschiedener Bildungseinrichtungen sowie Nichtregierungsorganisationen. 

Über das Forschungsprojekt DISKURS

Das Projekt "DISKURS" (Öffnet in einem neuen Tab) ist eine Kooperation zwischen der Deutschen Hochschule der Polizei, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit und der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung in Nordrhein-Westfalen. Die dortigen Projektleiterinnen sind Cornelia Rotter (HöMS Hessen) und Prof. Dr. Verena Schulze (HSPV NRW). Für 2026 ist die nächste DISKURS-Konferenz geplant, bei der der Dialog mit Betroffeneninitiativen fortgeführt wird.    

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