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Frei? Aber sicher! Innere Sicherheit im Spannungsfeld

Bei Fragen der Inneren Sicherheit werden unterschiedliche Grundrechte miteinander abgewogen. Welche Rolle spielt dabei die Polizei? Prof. Dr. Eckhard Schröter, Leiter des Fachgebiets Verwaltungswissenschaft mit Schwerpunkt Politik und Gesellschaft, gibt Einblicke.

10.08.2026

Der Begriff „Innere Sicherheit“ hat einen Bedeutungswandel durchlaufen. In den späten 1960er Jahren sah sich die etablierte Politik durch politische Proteste – vor allem im Zuge der Studentenbewegung – zunehmend herausgefordert, was auch als Gefahr für die „innere Sicherheit“ interpretiert wurde. Die Bekämpfung des innerstaatlichen Terrorismus der 70er Jahre verstärkte den Fokus auf den Schutz staatlicher Institutionen und ihrer Repräsentanten. „Seitdem ist eine bürgerschaftliche Perspektive auf gesellschaftliche Sicherheit wichtiger geworden, zu der neben Prävention, Gefahrenabwehr und Strafverfolgung auch der Bevölkerungsschutz und die Katastrophenhilfe gehören“, erläutert Prof. Dr. Eckhard Schröter. „Dabei werden die beiden Pole der gesellschaftlichen Freiheit und Sicherheit immer wieder neu ausgehandelt.“ Diese Aushandlungen finden auf verschiedenen Ebenen statt, deren Zuständigkeiten selbst Gegenstand politischer Entwicklungen sind: in den Ländern und im Bund, aber auch in Städten und Gemeinden sowie zunehmend auf EU-Ebene. Außerdem bleiben die Ränder des Politikfeldes umstritten. Aktuell zeigt sich dies an der Debatte um sogenannte „hybride Bedrohungen“, bei der versucht wird, das Verhältnis zwischen innerer und äußerer Sicherheit neu auszutarieren.

Ein weiteres aktuelles Beispiel für die Güterabwägung zwischen Sicherheit und Freiheit ist der Umfang digitaler Datenanalyse und der Einsatz von KI in der inneren Sicherheit. „Hier ist das Überwachungspotential der Knackpunkt: Wie viel Überwachung sind wir bereit in Kauf zu nehmen, wenn dafür ein besserer Schutz der Bevölkerung versprochen wird?“ fragt Eckhard Schröter. Obwohl dieses Sicherheitsversprechen nicht immer eingelöst werden kann, steigen aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und des parteipolitischen Wettbewerbs um mehr Prävention die Erwartungen. Dies führe dann oft zu reflexhaften Forderungskatalogen. Für die Polizei geht es beim KI-Einsatz zunehmend auch um den Wandel des Berufsverständnisses, wie der Wissenschaftler skizziert: „Möchte sie, zugespitzt gefragt, der verlängerte Arm einer Software sein, die algorithmisch-gesteuerte Entscheidungen über Risikourteile oder Einsatzstrategien trifft?“

Führungs- und Einsatzkräfte prägen die polizeiliche Rolle im Politikfeld der inneren Sicherheit 

Bei der Ausgestaltung und Umsetzung sicherheitspolitischer Maßnahmen spiele die Polizei eine besondere Rolle: Polizeibehörden hätten Eigeninteressen, die sie – auch untereinander – energisch vertreten. Ihre Öffentlichkeitsarbeit prägt zudem wesentlich die Problemwahrnehmung. „Die jeweiligen Führungskräfte sind maßgeblich an der Vorbereitung politischer Entscheidungen beteiligt“, betont Eckhard Schröter, „und die Einsatzkräfte mit direktem Bürgerkontakt prägen mit ihrem Verhalten die Wahrnehmung der Politik der inneren Sicherheit in der Öffentlichkeit.“

In seinem Wahlpflichtmodul „Politikfeldanalyse Innere Sicherheit“ des Masterstudiengangs „Öffentliche Verwaltung und Polizeimanagement“ reflektiert Eckhard Schröter den Einfluss der Polizei und insbesondere die Rolle von Führungskräften mit den Studierenden. Dabei kommen interaktive Elemente wie Planspiele oder konkrete Fallstudien zum Einsatz, um eine größtmögliche Nähe zur beruflichen Praxis herzustellen.

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