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DHPol-Team auf Eurocrim 2026

Vom 9. bis 12. September 2026 tagen auf der 26. Jahreskonferenz der European Society of Criminology (EUROCRIM) in Warschau, Polen Kriminologinnen und Kriminologen aus ganz Europa und darüber hinaus. Mit dabei: Forschende aus dem Fachgebiet III.1 "Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention".

09.09.2026

Donnerstag, 10. September 2026, 18.30 bis 19:45 Uhr 

Während der abendlichen Poster-Session stellen die DHPol-Wissenschaftlerinnen Lara Textores und Julia Willmes Poster zu laufenden Forschungsaktivitäten vor. Lara Textores untersucht im Rahmen ihrer Dissertation den Zusammenhang zwischen patriarchalen Strukturen bzw. Einstellungen und Femiziden in Deutschland und Mexiko. Auf Basis bestehender Studien, Indices sowie der medialen Berichterstattung werden gesellschaftliche Geschlechterrollen rekonstruiert; ergänzend werden täterseitige Motive, Rechtfertigungsstrategien und Neutralisationstechniken mittels Aktenanalyse ausgewertet. Ziel ist es, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für eine zielgerichtete Prävention zu entwickeln.

Julia Willmes untersucht den "administrativen Ansatz" als ergänzendes Instrument zur Strafverfolgung gegen sogenannte clankriminelle Strukturen in Nordrhein-Westfalen und analysiert, inwieweit behördenübergreifende Kooperation, ordnungsrechtliche Maßnahmen und Kontrollstrategien zur Eindämmung solcher Netzwerke beitragen können. Gleichzeitig wird der Begriff "Clankriminalität" kritisch hinterfragt, da er weder einheitlich definiert ist noch frei von der Gefahr, komplexe soziale und kriminologische Phänomene pauschal zu verallgemeinern.

Freitag, 11. September 2026, 15:30 bis 16:45 Uhr

Am Freitag stellen Prof. Dr. Thomas Görgen und Tihomir Vrdoljak in einem Vortrag Befunde aus einem Forschungsprojekt zu Eigentumsdelikten zum Nachteil älterer und hochaltriger Menschen vor. Im Mittelpunkt stehen Taten, die nicht von Fremden begangen werden (wie etwa bei "falschen Polizeibediensteten" oder "Schockanrufen"), sondern von Personen aus dem persönlichen oder beruflichen Nahfeld der Betroffenen – und die gerade deshalb auf ein bestehendes Vertrauensverhältnis zurückgreifen können.

Grundlage ist die Analyse von 400 Fällen, die an deutschen Gerichten verhandelt und Gegenstand von Presseberichterstattung wurden. Ausgewertet werden Merkmale von Täterinnen und Tätern sowie Geschädigten, die Beziehung zwischen den Beteiligten und die tatrelevante Vertrauensstellung, ferner Vorgehensweisen, Schadenshöhen, Gelegenheitsstrukturen, Vulnerabilitäten und die justizielle Bearbeitung. Der Beitrag arbeitet typische, wiederkehrende Fallkonstellationen heraus, diskutiert die mit Vollmachten verbundenen Herausforderungen und deren Missbrauchspotenzial und ermöglicht die Diskussion von Ansätzen für die Prävention.

 

Freitag, 11. September 2026, 17:00 bis 18:15 Uhr 

Im Panel "Experimental and Evaluative Designs in the Real World" berichten Lara Textores, Julia Willmes, Tihomir Vrdoljak und Thomas Görgen unter dem Titel "Making it Stick: How Information Formats Shape Police Students' Knowledge and Acceptance of Evidence-Based Crime Prevention" über ein laufendes Forschungsvorhaben: Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte arbeiten häufig unter Zeitdruck und sehen sich zugleich einem wachsenden Bestand kriminologischer Forschung dazu gegenüber, was in der Kriminalprävention wirkt. Die Studie fragt daher, wie kriminologische Evidenz aufbereitet sein muss, damit sie tatsächlich Wissen, Überzeugungen und Handlungsabsichten prägen kann. 

Anknüpfend an aktuelle bildungswissenschaftliche Erkenntnisse wird anhand einer experimentellen Befragung die Wirkung verschiedener Einflussfaktoren ermittelt – etwa, wie Informationen dargestellt oder ob verbreitete Fehlannahmen ausdrücklich widerlegt werden sollten. Dadurch lässt sich erarbeiten, wie kriminologisches Wissen in der Aus- und Fortbildung präsentiert werden sollte, um evidenzbasierte Polizeiarbeit im Alltag zu unterstützen. 

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