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Ethik-Seminar sensibilisiert für den militärischen Ernstfall

Im November kamen polizeiliche Führungskräfte, Polizeiseelsorgende und Ethiker:innen aus dem gesamten Bundesgebiet in Münster zusammen, um sich mit ihrer Berufsethik angesichts krisenhafter Zeiten auseinanderzusetzen.

18.11.2025

„Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz Ende September gegenüber der Rheinischen Post. Dieses Zitat bringt laut Kriminaldirektorin Alexandra Füchter und Polizeiseelsorger Dr. Michael Arnemann, Leiter der Polizeiseelsorge im Bistum Münster, von der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) auf den Punkt, vor welcher Stimmungslage sie ihr jüngstes Seminar angeboten haben. Unter dem Titel „Von hybriden Bedrohungen bis zum Bündnis- und Verteidigungsfall: Ethische Aspekte und neue Herausforderungen für Polizei und Polizeiführung“ kamen im November polizeiliche Führungskräfte, Polizeiseelsorgende und Ethiker:innen aus dem gesamten Bundesgebiet in Münster zusammen, um sich mit ihrer Berufsethik angesichts krisenhafter Zeiten auseinanderzusetzen. „Dieses Seminar hätte es so vor ein paar Jahren nicht gegeben“, betont Alexandra Füchter, Leiterin des DHPol-Fachgebiets Polizeiliches Krisenmanagement (Öffnet in einem neuen Tab).

Kooperation von Polizei und Bundeswehr

Neben Lagebildern zu den aktuellen Herausforderungen der Polizei und deren ethisch-moralischen Kontexten durch Marcus Papadopulos, Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz, und Ingo Dudenhausen, Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, ging es auch um die Werteorientierung der Bevölkerung und die Frage, ob sich die Bürgerinnen und Bürger mehr Kriegstüchtigkeit wünschen. Darüber sprach Dr. Markus Steinbrecher vom Potsdamer Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Zum Umgang mit ethischen Werten angesichts drohender militärischer Konflikte gab es einen Workshop unter der Anleitung von Kristina Tonn und Heinrich Dierkes vom Hamburger Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis), bei dem sich die Teilnehmenden in wechselnden Gruppen austauschten.

„Ethik ist die Krisenwissenschaft schlechthin“

Ebenfalls zentral war der Blick auf die Seelsorge: „Wir bringen die Polizei-, Militär- und Notfallseelsorge ins Gespräch darüber, was ein Kriegsfall in der beruflichen Praxis bedeuten würde. Hier sind die verschiedenen Bereiche aktuell unterschiedlich weit aufgestellt“, erläutert Dr. Michael Arnemann von der DHPol-Fachstelle Ethik/Berufsethik (Öffnet in einem neuen Tab).

Damit verband das Seminarprogramm Theorie, Reflexion und Praxis. Intensiv wurde über Fragen zu Sinnhaftigkeit und die Vorbildrolle der Polizei diskutiert, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Orientierung und einer klaren Aufgabenzuweisung. So sollten ethische Dilemmata am besten in Kooperation von polizeilicher Führung und der Seelsorge angegangen werden. Bei künftigen Fortbildungen soll das Thema hybride Bedrohung in den Fokus rücken. Das Thema birgt also weiteren Gesprächsbedarf, und die Seminarleitenden sind sich einig: „Ethik ist die Krisenwissenschaft schlechthin.“  

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