Vita und Werdegang
2002 Magisterabschluss im Fach Mittlere und Neueren Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
2003-2007 Bearbeitung des Dissertationsprojekt "Zwischen Diaspora, Diakonie und deutscher Orientpolitik: Deutsche evangelische Gemeinden in Istanbul und Kleinasien in osmanischer Zeit" (gefördert durch den DAAD, das Institut für Europäische Geschichte in Mainz, DFG Reisestipendien und den Gymnasial- und Stiftungsfond Köln)
2007 Abschluss der Promotion an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
2008–2010 wissenschaftliches Volontariat am Deutschen Historischen Museum Berlin
2010–2012 Kuratorin am Deutschen Historischen Museum Berlin
2012–2014 freiberufliche Tätigkeit und Elternzeit
2014-2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Lepsiushaus Potsdam und am Lehrstuhl für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt des Historischen Instituts der Universität Potsdam (unterbrochen durch ein Jahr Elternzeit)
Oktober 2020–August 2021 Stipendium des Gleichstellungsbüros der Universität Potsdam
2021–2025 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt und Koordinatorin der DFG-Forschungsgruppe "Militärische Gewaltkulturen – Illegitime militärische Gewalt von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg" (FOR 2898)
März 2025–November 2025 zusätzliche Anstellung am Dokumentationszentrum Fluch, Vertreibung Versöhnung, Berlin für die Konzeption und Organisation der Fachtagung "Trauma – Erinnerung – Mahnung. Sexuelle Gewalt in kriegerischen Konflikten"
Juni 2025 Einreichung der Habilitationsschrift "Bevölkerungsgruppen als Manövriermasse. Das Deutsche Reich und der Genozid an den Armeniern als koloniale Verflechtungsgeschichte" am Historischen Institut der Universität Potsdam
Seit Dezember 2025 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Hochschule der Polizei – Universität der Polizeien des Bundes und der Länder in Münster (Fachgebiet I.6 Polizeigeschichte und Politische Bildung); Bearbeitung des Teilprojekts "Gewaltkulturen in den Armeen der europäischen Großmächte während der Revolutions- und Napoleonischen Kriege. Gewaltvergehen und internationale Diskurse (1792-1815)" in der DFG-Forschungsgruppe "Militärische Gewaltkulturen – Illegitime militärische Gewalt von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg" (FOR 2898).
Forschungsschwerpunkte
Militär- und Gewaltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Genozidforschung und Historiografie von Genoziden
Genderperspektiven
Sexuelle Gewalt in Kriegen
Europäische Kolonialgeschichte
Erster Weltkrieg
Osmanische/türkische Geschichte
Migrationsgeschichte
Erinnerungsarbeit/-kultur (in postmigrantischen Gesellschaften)
Protestantismus im 19. und 20. Jahrhundert
Historische Fotografie
Laufendes Forschungsprojekt
Illegitime Gewalt in der französischen und österreichischen Armee während der Französischen Revolutions- und Napoleonischen Kriege (1792-1815)
Förderung: Deutsche Forschungsgesellschaft
Gewaltkulturen in den Armeen der europäischen Großmächte während der Revolutions- und Napoleonischen Kriege. Gewaltvergehen und internationale Diskurse (1792-1815)
Ziel des Forschungsprojektes ist es, eine vergleichende Studie zu den militärischen Gewaltkulturen aller europäischen Großmächte während der Revolutions- und Napoleonischen Kriege zu verfassen. Hierfür werden international diskutierte Gewaltvergehen in den Armeen Frankreichs, Großbritanniens, Österreichs, Preußens und Russlands sowohl auf der Ereignis- als auch auf der Diskursebene untersucht. Durch einen Fokus auf als illegitim angeprangerte Gewaltereignisse können wie mit einer Sonde die spezifischen Charakteristika der militärischen Gewaltkulturen und deren zeitgenössische Fremd- und Selbstsicht im Kontext der Kriegsereignisse offengelegt werden. Dabei verfolgt das Projekt ein zweifaches Ziel: Es möchte zum einen unter Einbezug von Erklärungsansätzen der Gewalt- und Militärgeschichte die Frage klären, ob spezifische Gewaltkulturen in dieser Zeit in den Armeen existierten, wie diese sich während der Kriege entwickelten und vor allem, in welchem Ausmaß sie zu Gewaltexzessen – Tötungen und Gewaltakte an Zivilpersonen, Kriegsgefangenen und verwundeten Soldaten, sexualisierte Gewalt, Brandschatzung und Zerstörung von Kulturgütern – beitrugen. Zum anderen zielt das Projekt auf eine Analyse, wie Gewaltexzesse im Kontext der Kriegsführung zeitgenössisch im Militär, in der Politik, Rechtswissenschaft und Gesellschaft in den europäischen Großmächten gedeutet und bewertet wurden.
Das Projekt wird im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe "Militärische Gewaltkulturen — Illegitime militärische Gewalt von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg" (DFG Forschungsgruppe FOR 2898) bearbeitet.
Veröffentlichungen
Herausgebertätigkeit
„When you catch one kill him slowly“. Militärische Gewaltkulturen von der Frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg, Frankfurt/Main geplant für Herbst 2024 (zusammen mit Birgit Aschmann, Jan C. Behrends und Sönke Neitzel).
Gewaltgemeinschaften? Methodische Überlegungen und Fallbeispiele zum Wandel und zur Kontinuität von Gewalt im und nach dem Ersten Weltkrieg, Frankfurt 2021 (zusammen mit Sven Oliver Müller)
The First World War as a Caesura? Demographic Concepts, Population Policy, and Genocide in the Late Ottoman, Russian, and Habsburg Spheres, Berlin 2020.
Das Deutsche Reich und der Völkermord an den Armeniern, Göttingen 2017 (zusammen mit Rolf Hosfeld).
Für immer jung. 50 Jahre Deutscher Jugendfotopreis (eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, Ausstellungshalle, 12. November 2011 bis 5. Februar 2012), Bönen 2011 (zusammen mit Dieter Vorsteher-Seiler).
Monographie
Zwischen Diaspora, Diakonie und deutscher Orientpolitik: Deutsche evangelische Gemeinden in Istanbul und Kleinasien in osmanischer Zeit, Stuttgart, Berlin, Köln 2011.
Aufsätze (Auswahl)
Bevölkerungsgruppen als geopolitische Manövriermasse. Koloniale Phantasien, Revolutionsstrategie und deutsche Perspektiven auf Vorderasien während des Ersten Weltkrieges, in: Kerstin von Linken, Takuma Melber (Hg.), Kriegsschauplatz Asien (im Druck)
Erinnerungen und Kontroversen, in: Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Katalog zur Ständigen Ausstellung, hg. von der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin 2024, S. 104-120.
Geteilte Geschichte. Europäische Verständigung, in: Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Katalog zur Ständigen Ausstellung, hg. von der SFVV, Berlin 2024, S. 278-292.
Das preußische Kriegsministerium, in: Rüdiger von Voigt (Hg.), Weltmacht auf Abruf. Nation, Staat und Verfassung des Deutschen Kaiserreichs (1867–1918), Baden-Baden 2023, S. 144-150.
Johannes Lepsius and the German Orient Mission, in: David Thomas, John Chesworth Christian-Muslim Relations: A Bibliographical History Volume 22. Central Europe (1800-1914), Leiden 2024, S.572-582.
Colonial Pragmatism and Population Transfer – German Perception of Ethnic Violence during the First World War and the Armenian Genocide, in: Hülya Adak, Fatma Müge Göçek, Ronald Suny (Hg.) Critical Approaches to Genocide: History, Politics and Aesthetics of 1915, Oxford 2023, S.92-98.
Deportationen als „German Way of War“? Militärgeschichte als Verflechtungsgeschichte am Beispiel des deutsch-osmanischen Bündnisses, in: Sven Oliver Müller / Christin Pschichholz (Hg.), Gewaltgemeinschaften? Methodische Überlegungen und Fallbeispiele zum Wandel und zur Kontinuität von Gewalt im und nach dem Ersten Weltkrieg, Frankfurt 2021, S. 45-73.
Historiografische Entwicklung unter besonderen Umständen: Die Erforschung des Völkermordes an den Armeniern zwischen Westeurozentrismus und türkischem Nationalmythos, in: Olaf Glöckner, Roy Knocke (Hg.), Das Zeitalter der Genozide. Ursprünge, Foren und Folgen politischer Gewalt im 20. Jahrhundert, Berlin 2017, S. 15-31.
Zurückhaltung durch kolonialen Pragmatismus. Die Fehlkonstruktion der deutschen Orientpolitik und der Völkermord an den Armeniern, in: Rolf Hosfeld / Christin Pschichholz (Hg.), Das Deutsche Reich und der Völkermord an den Armeniern, Göttingen 2017, S. 267–277.
Humanitäre Hilfe als Konfliktfall. Deutsche Protestantische Sichtweisen auf den Genozid an den Armeniern, in: Stephan Schaede / Rolf Hosfeld (Hg.): Der Genozid an den Armeniern. Interdisziplinäre Perspektiven auf die historische und aktuelle Rolle des Protestantismus (Loccumer Protokoll 40/15), Rehburg-Loccum 2016, S. 45–59.
Die Gründung der deutschen evangelischen Gemeinde und der Kirchenbau in Istanbul, in: Festschrift 150 Jahre Kreuzkirche Istanbul, hrsg. vom Kirchengemeinderat der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei, Istanbul 2011, S. 23–32.
Considerations of the correlations between social welfare, missionary activities and foreign policy: German Protestant communities in Istanbul and Izmir and the Diaspora care, in: Norbert Friedrich, Uwe Kaminsky, Roland Löffler (Hg.), Die soziale Dimension der Mission im Orient, Stuttgart 2010, S. 191–203.
Die Konstruktion eines „jüdisch-bolschewistischen“ Feindbildes. Ausstellung und Film als Medien der NS-Propaganda in Deutschland und Frankreich, in: Rosmarie Beier-de Haan, Jan Werquet (Hg.), Fremde? Bilder von den „Anderen“ in Deutschland und Frankreich seit 1871“, Dresden 2009, S. 82–89.
Die „armenische Frage“ im kolonialen Kontext. Nationalprotestantische Sichtweisen zwischen konfessionellen Antagonismus, Rassismus und theologischer Überhöhung, in: Zeitschrift für Genozidforschung, Bd. 9, 2008, S. 68–92.
Immigration of German-speaking people to the territory of modern-day Turkey (1850–1918), in: Mathias Schulze u.a. (Hg.), German Immigrants and Their Descendants: Culture, History, Language, Waterloo 2008, S. 231–243.
'Diaspora'-Erfahrungen. Deutsche evangelische Gemeinden und ihre Pfarrer in der osmanischen Stadtgesellschaft, Onlineveröffentlichung des Deutschen Historischen Instituts Paris zum Sommerkurs für Nachwuchswissenschaftler: Das Andere – Theorie, Repräsentation, und Erfahrungen im 19. Jahrhundert (25.-27. Juni 2007) https://perspectivia.net/receive/ploneimport_mods_00000560 (Öffnet in einem neuen Tab)
Rezensionen (Auswahl)
Hans-Lukas Kieser, Nahostfriede ohne Demokratie. Der Vertrag von Lausanne und die Geburt der Türkei 1923 Zürich 2023, in: HZ Bd. 321, 2025, S. 786-787.
Andrzej Chwalba, The People of Poland at War. 1914–1918, Berlin u. a. 2021, in: ZfO, geplant für Bd. 73, 2024.
Jasmin Hain, Frank-Lothar Kroll, Martin Munke (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg in der deutschen und britischen Erinnerungskultur / The First World War in British and German Commemorative Culture Berlin 2017, in: MGZS, Bd. 78, H.1, 2019.
Vahkan N. Dadrian, Taner Akçam, Jugment at Istanbul. The Armenian Genocide Trials, New York, Oxford 2011, in: Neue Politische Literatur, Jg 57, 2012.
Hörfeature/Podcast
Mitautorin des sechsteiligen Hörfeature (Podcastserie) „Gewalt und Gerechtigkeit“ (2024)
In sechs Folgen wird ausgehend vom Mord an dem ehemaligen Großwesirs Taalat Pascha in Berlin im Jahr 1921 und dem darauffolgenden Prozess – einem der außergewöhnlichsten der Weltgeschichte – vom Genozid an der armenischen Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges, dessen Folgen und die Rolle des Deutschen Reiches berichtet. Völkerrechtliche Entwicklungen und die Entstehung nationaler Erinnerungskulturen stehen genauso im Fokus, wie die Frage, warum es bis heute so schwierig ist, über Gewalt zu reden und daran zu erinnern. Das aufwendige Hörfeature richtet sich an ein breites Publikum und setzt sich zusammen aus von SchauspielerInnen eingesprochenen Szenen, ExpertInneninterviews, Zitaten aus historischen Quellenmaterialien und Musikarrangements. Mitautorinnen: Christine Marth und Ani Menua.
Das Projekt wurde durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.
https://www.podcast.de/episode/691024323/teaser-gewalt-gerechtigkeit (Öffnet in einem neuen Tab)