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SENTINEL

Sicherheit im Einsatz durch Open-Source-Intelligence (OSINT) in Einsatzleitstellen

Das Projekt

Bei dem durch die Stüllenberg Stiftung geförderten Forschungsprojekt SENTINEL handelt es sich um ein Pilotprojekt, das in Zusammenarbeit mit den Leitstellen der PD Osnabrück, des PP Dortmund und des PP München sogenannte Intel Officer implementiert, die einsatzbegleitend OSINT-Recherchen durchführen. Die folgende Hypothese wird untersucht: „Bei einer Vielzahl von Einsatzlagen des täglichen Dienstes, wie z. B. Fahndungslagen, Gewalt im sozialen Nahraum, Straßenkriminalität etc. können durch die Nutzung von Open-Source-Intelligence (OSINT) einsatzrelevante Informationen erlangt werden, die zu einem besseren Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung sowie zu einer professionelleren Aufgabenbewältigung beitragen können.“

Ziel ist eine differenzierte Analyse des Mehrwerts, der Schwierigkeiten und dem Aufwand im Einsatz sowie der Nutzungsfrequenz von OSINT.

In Zeiten der Digitalisierung und insbesondere der verbreiteten Nutzung von Social Media erfährt OSINT eine gravierende Aufwertung für die Informationsgewinnung. Neben staatlichen nutzen auch privatwirtschaftliche Organisationen OSINT, z. B. im Rahmen der Business Intelligence. In den Niederlanden gehören OSINT-Recherchen bereits zum täglichen Handwerkszeug der Polizei. In sogenannten Real-Time Intelligence Centres (RTIC), die in den Einsatzleitstellen untergebracht sind, führen Polizeivollzugsbeamte neben der Datenerhebung in polizeilichen Datensystemen standardmäßig OSINT-Recherchen zu eingehenden Einsätzen durch und versorgen die Kräfte mit Informationen.

Die durch OSINT-Recherchen potentiell erzielbaren einsatzrelevanten Informationen sind besonders vor dem Hintergrund von Gewaltvorfällen gegen Polizistinnen und Polizisten von Bedeutung. Ein Kernelement der Einsatzvorbereitung zur Eigensicherung ist die Informationserhebung. Jaeger et al. (2013) kommen in der Studie „Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte“ zu der Empfehlung, dass kritische Situationen (wenn bspw. der ursprünglich genannte vom tatsächlichen Einsatzanlass abweicht) möglichst vermieden werden sollten, indem den Polizeivollzugsbeamten vorab viele und präzise Informationen über den bevorstehenden Einsatz übermittelt werden. Selbst in sehr begrenzten Zeitfenstern können mit Hilfe von OSINT Erkenntnisse zu Personen, wie z. B. aktuelle Lichtbilder, Hinweise zum Aufenthaltsort, Informationen zu Hobbies („Kampfhundehalter“, „Sportschütze“, „Boxer“) oder Besonderheiten der Örtlichkeiten, wie z.B. Zugangssituation, Hinterausgänge oder Baumaßnahmen, wichtige Eigensicherungsrückschlüsse ermöglichen.

Vor einer umfassenderen Nutzung von OSINT im täglichen Dienst von Leitstellen in Deutschland sind jedoch personelle und materielle ebenso wie rechtliche Rahmenbedingungen zu bedenken.

Das Forschungsprojekt SENTINEL wird diese drei wesentlichen Rahmenbedingungen vor dem Hintergrund der o. g. Hypothese untersuchen, um eine Empfehlung zur Einführung von OSINT auf Einsatzleitstellen zu ermöglichen. Insbesondere ist es Ziel, eine Aussage darüber zu treffen, ob unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen das Maß der zu erwartenden Verbesserung der Sicherheit von Polizeibeamtinnen und ‑beamten im Einsatz einerseits und der Schutz der Bevölkerung andererseits im Verhältnis zu dem Aufwand steht, der personell und materiell betrieben werden müsste.

Forschungsteam an der Deutschen Hochschule der Polizei

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