Masterarbeiten der deutschen Hochschule der Polizei: Analyse schwieriger Führungssituationen
Eine Sammlung erlebter Echtfälle in den Führungsfunktionen des gehobenen und höheren Polizeivollzugsdienstes
Auf dieser Seite bieten wir interessierten Lesern eine Auswahl von Fällen aus der Führungspraxis der Polizei. Diese Fälle haben einerseits einen exemplarisch-typischen Charakter für Führungsthemen innerhalb der Polizei bzw. Ordnungsverwaltung; sie sind aber gleichzeitig auch singulär und einzigartig, weil sie sich in ganz spezifischen Organisationskontexten, historisch gewachsenen Akteurskonstellationen und eigentümlichen Verlaufsstrukturen ereignet haben.
Die Fälle wurden im Rahmen von Masterarbeiten an der Deutschen Hochschule der Polizei identifiziert, recherchiert, in gemeinsamen Sitzungen exploriert und im Zuge der Texterstellung mit fall- und situationsangemessenen Theorien verknüpft. Die Entwicklung einer fallangemessenen Theorie erfolgte auf der methodischen Grundlage der Fallanalyse (Barthel 2010, S. 231f), ein Instrument, das in der rekonstruktiven Sozialwissenschaft (Bohnsack u.a. 2006, S. 140f), in der Organisationsberatung und Gruppenanalyse (König/Volmer 1999) aber auch in der Polizeiarbeit eingesetzt wird.
In der Tat geht die hier präsentierte Fallsammlung davon aus, dass die polizeiliche Methode der "Lagebeurteilung" und die sozialwissenschaftliche Methode der Fallanalyse konzeptionell und vorgehensmethodisch der gleichen Grundannahme folgen: Es geht in beiden Fällen um systematische Informationsgewinnung, die Verdichtung der Informationen zu relevanten Daten, Verknüpfung dieser Daten zu einem "Lagebild", das die Diagnose der spezifischen "Lage" und damit die handlungsleitende Modell- bzw. Theoriebildung ermöglicht.
Im Sinne der Professionalisierung der Führungsaufgabe gehen die hier versammelten Fallbearbeitungen davon aus, dass die kluge Lagebeurteilung der zwingende Ausgangspunkt für eine wirkungsvolle Führungsintervention ist. Gegenüber instrumentell-technischen Angeboten schlichter Führungstheorien wird hier ernst gemacht mit der Fähigkeit zum Selbstdenken und reflexiven Gestaltungsvermögen von Führungskräften gerade in schwierigen Situationen. Mit der Fähigkeit zur Lagebeurteilung sind Führungskräfte gegen das naive Vertrauen auf die generelle Durchsetzungsfähigkeit der Hierarchie und einen selbstgefällig-autoritären Heroismus gefeit. Statt Schnellschuss und Kraftmodell wird hier auf Erfahrungs- und durchaus auch Empfindungsvermögen gesetzt, auf die Fähigkeit zur Reflexion und schließlich eine Strategiebildung, die im Prozess ihrer Umsetzung immer auch ihre eigenen Wirkungen beobachtet.
Grundsätzlich gehen wir davon aus: Was dem professionellen Polizisten im Verlauf seines Berufslebens in Fleisch und Blut übergeht, das kann auch von einer Führungskraft verinnerlicht und gewissermaßen als professioneller "Reflex" etabliert werden.
In der hier aufgeführten Liste finden Sie die folgenden Angebote und Navigationsmöglichkeiten:
- Die Fälle - als reine Fallbeschreibung in Kurzform, jeweils etwa 4-7 Seiten lang. Vor der Ausführung der Falldarstellung finden Sie die Überschriften bzw. Kernthemen, die in der Masterarbeit als maßgebliche Ursache-Wirkungskausalitäten herausgearbeitet werden
- Die Masterarbeiten selbst - ein Textkorpus von 80 - 100 Seiten, in dem die Wirkungsmechanismen des Falles freigelegt werden.
Diese - im Laufe der Zeit sich erweiternde - Fallsammlung kann für die folgenden Zielgruppen interessant sein: Führungspraktiker aus allen Bereichen und selbstverständlich insbesondere aus der Polizei. Außerdem Trainer, Seminarleiter und Führungslehredozenten, die an Echtfällen mit ihrem Publikum arbeiten möchten.
Nicht alle Masterarbeiten können zur Einsicht freigegeben werden, da forschungspraktische Diskretionsvereinbarungen oder aber die Regeln für den polizeiinternen Dienstgebrauch dies nicht möglich machen.
Bei den nun folgenden Managementfassungen wurden auf wissenschaftliche Formalien und Standards verzichtet, um den animierenden Lesefluss nicht zu beeinträchtigen; selbstverständlich wurden diese in den Masterarbeiten eingehalten. Sofern in den Managementfassungen indirekte Zitate verwendet wurden, sind diese in den jeweiligen Masterarbeiten vollständig gekennzeichnet.
